Die Wilhelm Sander-Therapieeinheiten

Wilhelm Sander hatte den ausdrücklichen Wunsch, zum Wohl der Patienten die angewandte, klinische Forschung mit Diagnose und Therapie zu verbinden. Um diesem Willen des Stifters nachzukommen, haben die Gremien der Wilhelm Sander-Stiftung entschieden, eigene Zentren ins Leben zu rufen, bei denen der einzelne Patient im Mittelpunkt steht. So entstanden bisher fünf Wilhelm Sander-Therapieeinheiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und an verschiedenen Standorten.

In diesen Zentren steht die möglichst unmittelbare Anwendung von Erkenntnissen aus der Forschung für die Behandlung und Versorgung der Patienten im Fokus. Dabei hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte in den Wilhelm Sander-Therapieeinheiten einen explizit hohen Stellenwert: Experten verschiedener Fachgebiete bringen ihre Kenntnis unterschiedlicher Methoden für eine optimale und individuelle Behandlung der Patienten ein. Darüber hinaus dienen wissenschaftliche Begleitprojekte dazu, Diagnose- und Therapieverfahren gezielt zu verbessern. Damit sorgen die Wilhelm Sander-Therapieeinheiten nicht zuletzt auch dafür, die klinischen Versorgungsstrukturen für Krebspatienten zu stärken. Die bisher fünf Wilhelm Sander-Therapieeinheiten haben jeweils unterschiedliche fachliche Schwerpunkte, von denen wir Ihnen im Folgenden die drei aktuell geförderten in München, Würzburg und Regensburg vorstellen möchten.

Die Stiftung trägt dabei die Kosten der Therapieeinheiten über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einem Gesamtvolumen von bis zu 3 Mio Euro.

Im Anschluss an die mehrjährige Förderung werden die Therapieeinheiten in den ordentlichen Klinikhaushalt übernommen.

Abgeschlossene Wilhelm Sander-Therapieeinheiten:

1993-1999: Autologe Blutstammzelltransplantation bei Lymphomen, Medizinische Klinik Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. med. Bertold Emmerich
1999-2004: Behandlung von lymphoblastischer Hochrisiko-Leukämie bei Kindern und Jugendlichen, Kinderklinik Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. med. Dr. h. c. Wolfgang Rascher

Wilhelm Sander-Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome

am Klinikum rechts der Isar der TU München

Eröffnung: 2010

Mit der Wilhelm Sander-Therapieeinheit für Knochen- und Weichteilsarkome am Klinikum rechts der Isar eröffnete das erste Behandlungszentrum der Stiftung für solide Tumore. Mit etwa 2.000 Neuerkrankungen pro Jahr sind Tumore des Bindegewebes, sogenannte Sarkome, in Deutschland relativ selten. Gleichzeitig sind sie biologisch und klinisch heterogen und schwer zu therapieren. Ziel der Therapieeinheit ist es, die Diagnose und Therapie von Patienten im Kindes- und Erwachsenenalter zu verbessern.

Diese Herausforderung kann nur von verschiedenen Disziplinen gemeinsam gelöst werden. Ein interdisziplinäres Expertenteam legt daher für jeden Patienten die optimale Therapie fest – mit der richtigen Mischung aus unterschiedlichen Behandlungsmethoden. Die wichtigsten Therapieelemente bei Knochen- und Weichteilsarkomen sind Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie in der geeigneten Kombination. Hierzu entwickeln Mediziner innovative Konzepte für die Risikoabschätzung und individualisierte Therapie. Ein wesentlicher Bestandteil der Gesamttherapie ist zudem eine professionelle und bedarfsgerechte psychoonkologische Betreuung der Patienten. Ein Teleradiologie-Portal bietet auch niedergelassenen Ärzten schnelle und direkte Beratung durch das Expertenteam.

Davon profitieren die betroffenen Patienten, die ohne zeitliche Verzögerung eine für ihren Einzelfall adäquate Diagnostik und moderne Therapie erhalten können. Weiterhin finanziert die Wilhelm Sander-Stiftung fünf begleitende Forschungsprojekte, die darauf ausgerichtet sind, schnell in die klinische Anwendung zu münden. Sie sollen moderne molekulare Konzepte aus der Forschung in innovative Diagnostik- und Therapieverfahren übertragen. Die Forschungsprojekte entstammen den Bereichen Kinder-Onkologie, Psychoonkologie, Strahlentherapie und Orthopädie. Ein zusätzliches Projekt widmet sich der Entwicklung und Optimierung einer muskuloskelettalen Sarkomdatenbank.

 

Kontakt

Prof. Dr. Dr. med. Hans Rechl
Klinikum rechts der Isar
Ismaninger Str. 22, 81675 München
Stammgelände, Gebäude 502 (Altbau), Farbleitsystem: „Violetter Bereich“

Tel.: +49 89 4140-2283
E-Mail:
www.mri.tum.de/sarkomzentrum

Wilhelm Sander-Therapieeinheit München
Im Rahmen der Gesamttherapie werden Patienten vor, während und nach der stationären Aufnahme professionell psychoonkologisch betreut (Foto: TU München)

Wilhelm Sander-Therapieeinheit für interdisziplinäre Myelombehandlung

am Universitätsklinikum Würzburg

Förderbeginn: 2014

In der jüngsten Wilhelm Sander-Therapieeinheit am Universitätsklinikum Würzburg, konzentrieren sich Mediziner und Krebsforscher auf das Multiple Myelom, eine Untergruppe des Lymphknotenkrebses. Pro Jahr erkranken etwa 3.500 Menschen an dieser bösartigen Entartung der Plasmazellen. Dabei verändern sich bestimmte Immunzellen – die Plasmazellen im Knochenmark – und überfluten den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern. Durch ihr aggressives Wachstum unterdrücken sie die Blutbildung, beeinträchtigen die Nierenfunktion, bauen verstärkt den Knochen ab und schädigen das Skelett. Die Erkrankung ist bei den meisten Patienten nicht heilbar und bringt schwere Belastungen mit sich: Knochenveränderungen und -brüche, Nierenfunktionsstörungen, Infektionen, Blutarmut und anderes mehr. Da sehr unterschiedliche Organsysteme bei dieser gefährlichen Form des Lymphknotenkrebses betroffen sind, sind Diagnostik und Behandlung eines Patienten nur unter Einbindung verschiedener Disziplinen möglich.

An der Wilhelm Sander-Therapieeinheit Multiples Myelom in Würzburg sind daher unter der Leitung von Prof. Dr. Hermann Einsele und Prof. Dr. Stefan Knop die Kliniken für Strahlentherapie, Nuklearmedizin, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Orthopädie sowie die Institute für Immunologie und Pathologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg beteiligt. In gemeinsamen Sprechstunden und Konferenzen entwickeln die Experten Behandlungspläne für Patienten mit Multiplem Myelom und besprechen ihr Therapiekonzept anschließend direkt mit dem Patienten. Die Therapieeinheit bietet auch spezielle Behandlungsverfahren an, darunter solche mit neu entwickelten Antikörpern. In Zusammenarbeit mit der Klinik für Nuklearmedizin sollen Knochenveränderungen beim Multiplen Myelom ebenso erkannt werden wie Manifestationen der Krankheit außerhalb des Knochenmarks. Integriert werden dabei auch neue Therapien aus Orthopädie und Strahlentherapie. Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert seit 2014 den Aufbau dieser Therapieeinheit am Universitätsklinikum Würzburg, die sowohl die interdisziplinäre Forschung an Spezialfragen zum Multiplen Myelom als auch Diagnostik und Therapie der Patienten ins Zentrum stellt. Zur Verfügung stehen über den Förderzeitraum von fünf Jahren bis zu drei Millionen Euro. Das Universitätsklinikum Würzburg, mit seiner auf das Multiple Myelom spezialisierten Wilhelm Sander-Therapieeinheit gehört schon jetzt zu den führenden Zentren für Lymphknotenkrebs in Europa.

 

Kontakt

Prof. Dr. med. Hermann Einsele
Universitätsklinikum Würzburg
Tel.: +49 931 201-40000
E-Mail:

Prof. Dr. med. Stefan Knop
Universitätsklinikum Würzburg
Tel.: +49 931 201-40941
E-Mail:

Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II

 

Wilhelm Sander-Therapieeinheit Würzburg
Prof. Dr. Hermann Einsele (links), Leiter der Wilhelm Sander-Therapieeinheit in Würzburg, mit Dr. Wolfgang Schäfer, ehemaliger Patient und Gründer der Selbsthilfegruppe "Multiples Myelom Würzburg" (Foto: © UKW)

Wilhelm Sander-Therapieeinheit für NeuroOnkologie

am Universitätsklinikum Regensburg

Eröffnung: 2011

Die Wilhelm Sander-Therapieeinheit für NeuroOnkologie wurde im Februar 2011 am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) eröffnet. Dort finden hauptsächlich Patienten Hilfe, die unter Tumoren direkt im Gehirn und im Rückenmark leiden. Das sind etwa Gliome und Meningeome. Auch Patienten mit Hirnmetastasen werden behandelt. Bösartige Hirntumoren führen zu deutlich kürzerer Lebenserwartung sowie zu schwersten klinischen und psychosozialen Problemen. Nur durch konsequent interdisziplinäre Therapiestrategien und innovative Therapieansätze wächst die Aussicht darauf, das Leben der Patienten bei guter Lebensqualität zu verlängern.

Zur optimalen Koordination umfasst die Förderung durch die Wilhelm Sander-Stiftung daher auch die Einrichtung einer Professur für Neuroonkologie sowie einer Abteilung für Neuropathologie. Die Kompetenz für Hirnmetastasen konnte kürzlich entscheidend gestärkt werden: Prof. Dr. Tobias Pukrop wurde im Januar 2015 an die Medizinische Klinik III berufen und legt einen Schwerpunkt auf Hirnmetastasen. Die neuroonkologische Therapieeinheit am UKR versorgt ihre Patienten ambulant, tagesklinisch und stationär. Darüber hinaus werden Ärzte, die sich mit der Therapie von Hirntumoren befassen, sowie externe Patienten sowie deren Angehörige beraten. Fester Bestandteil des Behandlungszentrums ist die Erforschung und Evaluierung neuer Therapieverfahren. Die Regensburger Ärzte richten dabei besonderes Augenmerk auf die Entwicklung und Überführung molekular begründeter Therapiemodelle aus der Grundlagen- und klinischen Forschung in die klinische Praxis. Das Zentrum ist seit 2012 durch das Zertifizierungsverfahren der Deutschen Krebsgesellschaft als interdisziplinäres neuroonkologisches Zentrum zertifiziert.

 

Kontakt

Prof. Dr. med. Peter Hau, Leiter der Wilhelm Sander-Therapieeinheit
medbo Bezirksklinikum Regensburg
Universitätsstraße 84, 93053 Regensburg

Sprechstunde der interdisziplinären Hirntumorambulanz:
mittwochs 12:00 bis 17:00 Uhr

Tel.: + 49 941 941-8464
E-Mail:
Klinik und Poliklinik für Neurologie

 

Wilhelm Sander Therapieeinheit Regensburg
Das Regensburger Kompetenzteam (v.l.n.r.): Prof. Dr. Alexander Brawanski, Prof. Dr. Oliver Kölbl, Dr. Odo-Winfried Ullrich, Prof. Dr. Markus Riemenschneider, Prof. Dr. Ulrich Bogdahn, Prof. Dr. Peter Hau (Foto: © UKR)